Sonnenaufgang am Cava Grande

Sonnenaufgang am Cava Grande

Der Cava Grande del Cassibile in Avola ist bei vielen Einheimischen auch bekannt als der sizilianische Grand Canyon. Ich musste schon ein wenig schmunzeln, als ich diesen Vergleich hörte. Bin ich doch selber schon einmal am Grand Canyon gewesen und konnte mir nur sehr schwer vorstellen, dass es so etwas Spektakuläres ca. eine Stunde von meiner Haustür entfernt geben sollte. Nun ja, der Italiener ist jetzt vielleicht auch nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannt. Mit hohen Erwartungen habe ich mich also aufgemacht zum Grand Canyon Siziliens. Zu finden ist die Schlucht im Südosten Siziliens zwischen Noto und Siracusa. Ich hatte vorher im Internet gelesen, dass man am besten mit festem Schuhwerk wandert und sehr früh am Morgen dort aufkreuzt, denn der Cava Grande ist mittlerweile kein Geheimtipp mehr und wird von vielen Touristen aufgesucht. Beide Tipps sollten sich noch als reiner Segen herausstellen.

Um 6 Uhr morgens stand ich also in meinen dicken Wanderschuhen, mit drei Litern Wasser auf dem Rücken, mutterseelensolo vor meinem Campervan auf dem Parkplatz des Cava Grande. Lediglich ein paar Straßenhunde wunderten sich über mein frühes Erscheinen. Die Sonne blinzelte leicht über den Gipfel und das Licht war warm und erstrahlte in einem zarten Rosa mit einem leichten lila Überzug. Es bot sich mir ein grandioser Blick über die Schlucht des Cava Grande. Tatsächlich habe ich für ein paar Sekunden an ein Bild denken müssen, dass ich während eines Roadtrips durch die USA beim Sonnenaufgang am Grand Canyon vor einigen Jahren gemacht habe. Jetzt konnte ich den Vergleich schon ein wenig nachvollziehen. Beim Abstieg erinnert dann aber nichts mehr an den berühmten Grand Canyon, was aber auch überhaupt nicht schlimm ist. Der Cava Grande hat seinen ganz eigenen Charme und ist definitiv ein Highlight auf einem Sizilien Roadtrip. Der Abstieg war trotz des steinigen Weges sehr angenehm, die Temperatur so früh am Morgen noch gut zu ertragen, die Umgebung ganz still, man konnte nur ein paar Vögel zwitschern und meine massiven Schuhe auf dem Weg poltern hören. Für den Abstieg benötigt man etwa 45 Minuten, der Aufstieg ist je nach Temperatur wesentlich anstrengender und dauert mit kleinen Pausen ca. eine Stunde und 30 Minuten. Von dem Wanderweg aus kann man die Wasserbecken bereits erspähen und je näher man den kleinen Becken mit dem kristallklaren Wasser und den rauschenden Wasserfällen kommt, umso großer ist die Freude auf ein kühles Bad.

Unten angekommen konnte ich es kaum glauben, ein magischer Ort komplett verlassen. Ich sprang in eins der Wasserbecken und legte mich auf die aufgewärmten Steine, um mir das kühle Wasser des Wasserfalls auf den Rücken prasseln zu lassen. Ein bis zwei Stunden habe ich die Ruhe und diese bezaubernde Natur genießen dürfen, dann kamen nach und nach weitere Touristen herunter und ich entschied mich diesen friedlichen Ort so langsam wieder zu verlassen. Also nahm ich noch einen letzten Schluck Wasser und zwängte mich wieder rein in die Wanderschuhe. Der Aufstieg ist recht anspruchsvoll besonders bei dieser enormen Hitze im Hochsommer. Mir kamen einige Leute entgegen, die Flip-Flops trugen und mich nach den ersten fünf Minuten des Abstieges fragten, wie lange es denn noch dauere. Wer den Abstieg schon als anstrengend empfindet, der sollte besser umkehren und auch festes Schuhwerk ist sicherlich eine kluge Idee. Die Sonne knallt, besonders im Hochsommer, erbarmungslos auf den Wanderweg und dieser bietet wenig Schatten, also unbedingt genug Wasser mitnehmen. Alles in allem war der Aufstieg dann recht stressig, der Wanderweg ist sehr schmal und es kamen mir doch einige Leute entgegen. Aber für dieses wundervolle Erlebnis habe ich die kleinen Unannehmlichkeiten und die Strapazen beim Aufstieg gerne in Kauf genommen – Der Cava Grande ist absolut einen Besuch wert und gehört zu jedem Sizilien Roadtrip dazu.

Zurück im Campervan habe ich dann erst einmal meine Wanderschuhe in die Ecke gepfeffert und es mir für ein paar Minuten auf dem Bett bequem gemacht, bevor ich dann bereit für ein weiteres Highlight des Tages war – Pasta & Vino. Nach einem so sportlichen Start in den Morgen kann man sich auf jeden Fall erst einmal einen dicken Teller Pasta gönnen und je nach Verfassung auch direkt ein Glas Wein dazu, denn Avola ist weltbekannt für seinen Wein, Nero d´Avola. Für mich ein perfekter Tag auf einer spannenden Reise durch Sizilien.